Walt-Disney-Methode: Kreatives Rollenspiel

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05. März, 2013

In der Welt der Krea­ti­vi­täts­tech­ni­ken ist die Walt-Disney-Methode, durch ihren Rol­len­spiel­cha­rak­ter, eine der kurz­wei­ligs­ten und mit­un­ter spa­ßigs­ten Krea­tivstra­te­gien. Der Name die­ser Krea­ti­vi­täts­tech­nik geht auf den ame­ri­ka­ni­schen Zeichentrick-Pionier »Walt Dis­ney« zurück, wurde jedoch nicht durch ihn erfun­den – wie häu­fig ange­nom­men. Ent­wor­fen wurde diese Methode von einem sei­ner dama­li­gen Mit­ar­bei­ter »Robert B. Dilts«, wel­cher einst über Walt Dis­ney sagte, dass es eigent­lich drei Walts gab. Den Träu­mer, den Rea­lis­ten und den Kritiker.

Grundlegendes zur Walt-Disney-Methode

Die Krea­ti­vi­täts­tech­nik basiert auf einem klei­nen Rol­len­spiel, bei dem jeder Teil­neh­mer eine von drei (oder vier) Rol­len über­nimmt. Seine Rolle behält jeder Teil­neh­mer bis zum Ende der Sit­zung bei und ver­sucht das Pro­blem mit der mög­li­chen Hal­tung sei­nes Cha­rak­ters anzu­ge­hen. Die per­sön­li­che Hal­tung sollte hier­bei kei­nen Ein­fluss auf die Rolle haben, außer sie unter­stützt die Hal­tung der Rolle.

Durchführung

Eine Sit­zung mit der Walt-Disney-Methode dau­ert maxi­mal 30 Minu­ten bei einer Grup­pen­größe von vier Per­so­nen. Soll­ten Teil­neh­mer bereits im rea­len Leben zu einer der Rol­len ten­die­ren, soll­ten sie diese Rolle auch wäh­rend der Sit­zung ein­neh­men. So wird ver­mie­den, dass sich Teil­neh­mer unnö­tig ver­stel­len müs­sen oder sich in der fal­schen Rolle füh­len. Die Walt-Disney-Methode ist eben­falls als Ein­zel­per­son durch­führ­bar, jedoch schwe­rer durch­zu­füh­ren, da der Durch­füh­rende in der Lage sein muss, zwi­schen den Rol­len zu sprin­gen. Eine zeit­li­che Ver­tei­lung der ein­zel­nen Rol­len macht hier meist mehr Sinn, als eine halb­stün­dige Sit­zung. Bei­spiels­weise: mor­gens der Träu­mer, mit­tags der Rea­list und abends der Kri­ti­ker. Wie bei jeder Krea­ti­vi­ti­täts­tech­nik sollte vor Sit­zungs­be­ginn eine kon­krete Fra­ge­stel­lung erar­bei­tet wer­den, wel­che von der neu­tra­len Per­son zu Beginn vor­ge­stellt wird. Die Gruppe hat im bes­ten Fall zuvor kei­nen Kon­takt mit der Problemstellung.

Die Rollen

  1. Der Träu­mer – denkt groß und küm­mert sich nicht um Details wie Bud­get oder gar Naturgesetzen.
  2. Der Rea­list – ver­sucht die Ideen des Träu­mers in die reale Welt zu befördern.
  3. Der Kri­ti­ker – ver­sucht Argu­mente zu fin­den, warum die Idee so nicht umsetz­bar ist.
  4. Der Neu­trale – nimmt indi­rekt Teil, stellt das Pro­blem vor, sorgt für die Rol­len­ein­hal­tung, schreibt Ideen mit und been­det die Sitzung.

Beispielsitzung Walt-Disney-Methode

Gesucht wird: ein exklu­si­ves Packa­ging für ein Damen-Parfum

Der Träu­mer: Eine Box aus purem Gold mit, von Hand ein­gra­vier­ter, per­sön­li­cher Wid­mung für jeden Kun­den. Der Fla­kon ist aus reins­tem Kris­tall­glas und ein rie­si­ger Dia­mant bil­det den Verschluss.

Der Rea­list: Man könnte eine Holz­box mit Blatt­gold ver­edeln und den Ver­schluss zwar aus nor­ma­lem Glas fer­ti­gen, die­sen aber in Dia­mant­form schlei­fen las­sen. Bei der Bestel­lung könnte man einen Gravur-Service anbie­ten, im Ein­zel­han­del könn­ten wir einen Gravur-Service-Gutschein zum Pro­dukt hinzulegen.

Der Kri­ti­ker: Gold und Kris­tall­glas sind viel zu teuer und spren­gen das Bud­get des Kun­den. Auch eine Holz­box liegt weit außer­halb des Bud­get­rah­mens und ist oben­drein zu schwer, was logis­ti­sche Pro­bleme mit sich bringt. Der Gra­vur­ser­vice wäre jedoch denk­bar gegen eine Gebühr von X Euro.

Runde 2:

Der Träu­mer: Wir könn­ten das Papier mit Gold besprü­hen und statt des Ver­schlus­ses könnte der Fla­kon einen Dia­man­ten dar­stel­len. Die Innen­seite der Ver­pa­ckung ist mit Dia­man­ten­staub bedeckt.

Der Rea­list: Wir könn­ten das Papier mit gol­de­ner Son­der­farbe bedru­cken oder voll­flä­chig mit Gold­fo­lie kaschie­ren. Der Fla­kon wäre im gan­zen ein­fa­cher zu fer­ti­gen, als mit dem Ver­schluss und wäre so auch für Samm­ler inter­es­sant. Die Rück­seite des Kar­tons könnte man mit dem Glas­staub ver­edeln, wel­cher beim Schlei­fen des Fla­kons anfällt. Dies würde uns Kos­ten sparen.

Der Kri­ti­ker: An den Glas­split­tern kön­nen Kun­den sich schwer ver­let­zen. Die Spitze des Fla­kons könnte eben­falls wäh­rend der Fer­ti­gung abbre­chen. Außer­dem lässt sich solch ein Fla­kon nicht auf­recht hin­stel­len und ist somit nicht gut zu benut­zen. Die Leute möch­ten ihr Par­füme hin­stel­len kön­nen, ohne dass es ihnen weg­rollt oder unnö­tig viel Platz wegnimmt.

Runde 3:

Wie­der beginnt der Träu­mer mit sei­nen gro­ßen Visio­nen, jedoch unter Berück­sich­ti­gung der Anmer­kun­gen des Kri­ti­kers. Der Rea­list ver­sucht die Visio­nen umzu­set­zen und der Kri­ti­ker sucht wei­ter­hin nach Feh­lern und Män­geln. Die­ses Spiel geht so lang, bis man bei einer fina­len Idee ange­langt ist. Wann eine Idee final ist, ent­schei­det der Beob­ach­ter und nicht die Teilnehmer.

Vor- und Nachteile

+ sehr kurz­wei­lig
+ auch allein durch­führ­bar
+ pro­du­ziert häu­fig aus­ge­reifte Ideen
+ schnell erlernbar

 

- häu­fig nur ein Lösungs­an­satz pro Sit­zung
- gestie­ge­nes Charm­ge­fühl bei Einsteigern

Fazit

Für wen übli­che Metho­den wie »Brain­stor­ming«, »Mor­pho­lo­gi­sche Kas­ten« oder die »6–3-5-Methode« zu lang­wei­lig sind, der wird sich bei der Walt-Disney-Methode gut unter­hal­tet füh­len. Diese Methode macht nicht nur Spaß, son­dern bringt in der Regel auch bereits aus­ge­ar­bei­tete Lösun­gen mit sich. Des Wei­te­ren kön­nen Ideen aus Walt-Disney-Methode mit zuvor genann­ten Krea­ti­vi­täts­tech­ni­ken ver­fei­nert und kon­kre­ti­siert wer­den. Eben­falls bie­tet die Walt-Disney-Methode die Mög­lich­keit, dass ganze Teams die ein­zel­nen Rol­len über­neh­men – soll­ten die Res­sour­cen hier­für genü­gen. Natür­lich bedarf eine sol­che Umset­zung einige Modi­fi­ka­tio­nen des Regle­ments. Even­tu­ell werde ich hierzu einen wei­te­ren Bei­trag schreiben.

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