NIVEA macht Kunden zu Verdächtigen.

c
14. Februar, 2013

Den Kunden dort abholen, wo er steht, ist für NIVEA scheinbar Marketing-Schnee von gestern. Mit ihrer Live-Kampagner zur Einführung des neuen »Stress Protect Deos«, spaltet die Beiersdorfer Traditionsmarke die Massen und verletzt, zumindest für das Verständnis einiger, die Grenzen des guten Geschmacks.

Verstecke Kamera wäre stolz!

Am Flughafen herrschen heutzutage hohe Sicherheitsmaßnahmen. Ständig steht man als Fluggast unter Beobachtung – ob bei der Gepäckabgabe, beim Bording oder beim Warten auf den verspäteten Flieger. Egal ob Kameras, Körperscanner, Metalldetektoren oder eine kurze Leibesvisitation, vor allem bei Auslandsflügen, sind die Sicherheitsvorkehrungen mitunter enorm. NIVEA ist scheinbar der Meinung, dies sei noch nicht genug Stress und setzt mit ihrer Kampagne noch einen drauf.

Vor Ort werden unbemerkt Fotoaufnahmen von gewöhnlichen Passagieren angefertigt, diese direkt auf die Titelseite eines imaginären Magazins gesetzt und mit den Worten »Verdächtiger auf der Flucht!« ausgeschmückt. Mit dieser Zeitschrift bewaffnet, begibt sich ein Statist auf den Weg, um sich der »verdächtigen Person« gegenüberzusetzen.

Scheinbar war NIVEA der Eindruck des Magazins nicht genug und so bilden eine fingierte Durchsage des Flughafenpersonals sowie eine inszenierte Nachrichten-Sondersendung, ausgestrahlt auf einem gut sichtbaren TV-Gerät, den Gipfel dieses Stresstests. Seinen wirklichen Höhepunkt erreicht die Aktion jedoch durch das Auftreten des Sicherheitspersonals, welche sich der verdächtigen Person, bewaffnet mit einem Metallkoffer, nähert.

 Kritik zur Nivea Stress Protection Deo Live-Kampagne

Das eine Solche Werbemaßnahme einiges an Aufmerksamkeit auf sich zieht, war den Verantwortlichen sicher durchaus im Vorhinein schon bewusst. Die Frage die sich jedoch mittlerweile einige stellen ist: »Ist das noch Werbung?«

Ein Produkt oder eine Marke direkt mit einer Stresssituation zu bewerben wirkt auf die meisten verstörend, doch war dies das wirkliche Ziel der Kampagne? Meiner Meinung nach, ein klares »Nein!« Ich sehe hinter dieser Kampagne eher die Schaffung einer bestimmten Aufmerksamkeit. Vor Allem bei Kunden, welche NIVEA eher als langweilige Hausfrauenmarke im Gedächtnis haben. Der virale Erfolg der Kampagne lässt sich auch gar nicht bestreiten und wenn man bedenkt, dass nur eine Hand voll Personen in diesem Spot wirklich betroffen waren, ist die Aufmerksamkeit, die NIVEA damit geschaffen hat, wohl als klarer Erfolg auszulegen.  Meiner Meinung nach, eine echt gelungene Idee, welche frischen Wind in die »Wasted Youth« und »Lifestyle« verseuchte Werbeecke bringt. Eine Maßnahme mit Charakter, sowie mutig und provokant zugleich.

Verantwortlich für die schwitzenden Passagiere, zeichnet übrigens die Jungs und Mädels von Felix & Lamberti.

 

Was haltet ihr von der Kampagne? Zu provokant oder genau euer Ding?

One Comment

Senfabgabe
  • Naja, die Idee ist schon ganz nett, vor allem wenn man den Aufwand dahinter bedenkt. Aber der Twist am Ende ist doch, gemessen am Produkt, sehr schwach. Ähnlich der „Love not war“-Kampange von Axe. Der Weg der Werbebotschaft darf das Produkt selbst nicht überdecken. Meiner Meinung nach hier so geschehen.