Morphologischer Kasten: Die Ideen-Box

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03. Januar, 2013

Wie schon beim letzten Beitrag über Kreativitätstechniken, welcher sich mit dem Thema »Brainstorming« beschäftigte, möchte ich mich hier einer weiteren Technik widmen – dem Morphologischen Kasten.

Morphologischer Kasten

Bekannt wurde der Morphologische Kasten durch den Mathematiker und Physiker Fritz Zwicky, welcher in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts die Morphologische Analyse entwickelte. Seine heutige Popularität erreichte die Zwicky-Box, wie diese Methode auch genannt wird, jedoch erst 30 Jahre später.

Beim Morphologischen Kasten handelt es sich um eine Kreativitätstechnik, die eine Problemstellung in ihrer ganzheitlichen Form betrachtet und analysiert. Die Methode der Morphologischen Analyse eignet sich für alle Problemstellungen, ob Logodesign oder die Konzeption einer neuen Kaffeemaschine.

Durchführung

01 | Problemdefinition und Verallgemeinerung

Bevor der Morphologische Kasten zum Einsatz kommt, gilt es zunächst das Problem zu definieren und in einem Satz auf den Punkt zu bringen. Die Fragestellung sollte hierbei etwas allgemeiner gestaltet werden, um der Problemlösung mehr Möglichkeiten zu geben. Hierzu ein kurzes Beispiel:

Richtig: Wie kann ein raumeffizientes Bett realisiert werden?

Falsch: Welche Eigenschaften muss eine Matratze eines Bettes besitzen, um wenigst möglich raum einzunehmen und welcher Mehrwert kann hinzugefügt werden?

02 | Die Parameteranalyse

Im nächsten Schritt werden alle Parameter festgelegt, welche der Problemlösung zuträglich sein könnten. Beispielsweise: Farbe, Größe, Oberflächenbeschaffenheit und so weiter. Hierbei gilt es lediglich zu beachten, dass die Anzahl von 10 Parametern nicht überschritten wird, um die spätere Auswertung nicht unnötig zu verkomplizieren.

03 | Lösungsvarianten bestimmen.

Im dritten Schritt werden alle erdenklichen Varianten der beschriebenen Parameter in den Morphologischen Kasten eingetragen. Beispielsweise könnten die Varianten des Parameters »Form« wie folgt aussehen: Rechteck, Kreis, Dreieck, Oktagon, etc.
Diese Varianten werden nun für jeden der Parameter bestimmt und werden ebenfalls auf 10 Stück pro Parameter beschränkt. Ebenfalls wichtig ist, dass alle Varianten kombinierbar sind.

04 | Visualisierung

Nachdem alle Parameter bestimmt und alle Varianten eingetragen worden sind, geht es an die Visualisierung »aller« denkbaren Lösungen. Diese Herangehensweise sei hier aber nur vollständigkeitshalber erwähnt, denn dieser Schritt kann schnell selbst zu einem Problem werden, wie ein kleines Rechenbeispiel anhand eines vollständig ausgefüllten Morphologischen Kastens aufzeigt:

 

10 Parameter mit 10 Varianten = 1×1010 = 10.000.000.000 (Zehnmilliarden) Möglichkeiten.

 

Da die Visualisierung einer solchen Menge schlicht und ergreifend nicht möglich sein wird, beschränkt man sich häufig auf drei bis fünf Lösungsvarianten, welche intuitiv gefunden werden. Bei der intuitiven Entscheidung spielt das vorhandene Fachwissen über das zu lösende Problem eine tragende Rolle.

05 | Bestimmung der optimalen Lösungsvariante.

Im letzten Schritt werden nun die unterschiedlichen Lösungen gegenübergestellt, analysiert und die Variante ausgewählt. Führt dieser Schritt nicht zum erhofften Erfolg und keiner der ausgewählten Lösungsansätze erfüllte den Aspekt der Problemlösung, beginnt man bei Schritt 2 erneut und wiederholt den Prozess.

Beispiel:

  Farbe     Schwarz Weiß Cyan Grün Rot
  Form     Kreis Quadrat Rechteck Pentagon Organisch
  Matratzenart     Federkern Schaumstoff
  Breite in cm     90 120 140 160 180
  Gestell     Ohne Rahmen Hochgestellt Dreifuß Vierfuß
  Mehrwert     Couchfunktion Soundsystem USB-Anschluss Wecker Wasserspender

Die obere Tabelle zeigt anhand eines »Raumeffizienten Bettes mit Mehrwert« den dazu erstellten Morphologischen Kasten und der finale Lösungsansatz (gelb). Der gezeigte Kasten enthält 1250 verschiedene Lösungen.

Vor- und Nachteile

Vorteile:

Nachteile

Fazit

Der Morphologische Kasten ist ein mächtiges Werkzeug für die kreative Problemlösung. Leider ist die Vorgehensweise und das benötigte Fachwissen über das jeweilige Themengebiet ein kleiner Wermutstropfen, da fachfremde Teilnehmer, aufgrund der benötigten Kombinierbarkeit der einzelnen Punkte, hier häufig nicht mitreden können . Die Tatsache, dass er universal einsetzbar und ebenfalls allein durchführbar ist, macht ihn zu einer meiner favorisierten Kreativitätstechniken.

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