Farbe im Grafikdesign: 1. Was ist Farbe?

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01. Februar, 2013

Eines der subjektivsten Elemente im Grafikdesign sind Farben und ihre Wirkung. Das  grundlegende Verständnis um ihre Natur und Wirkung, ist somit einer der wichtigsten Teilbereiche in der visuellen Kommunikation. Die angesprochene Subjektivität besitzt jedoch einige, zumeist grobe, Regeln, deren Beachtung und Einhaltung entscheidend darüber sind, ob ein Layout wirkt. 

 

 

Was ist Farbe?

Die meisten Menschen werden sich wohl nur selten darüber den Kopf zerbrechen, was Farbe eigentlich ist. Auf den ersten Blick mag die Fragestellung noch recht einfach wirken, wer aber einmal versucht hat, sich die Frage zu beantworten, wird gemerkt haben, dass die richtige Antwort gar nicht so einfach ist, wie sie zu sein schien. Was ist Blau, warum ist Rot eigentlich rot und wieso mag ich meine Lieblingsfarbe eigentlich?

Um zunächst ein grundlegendes Verständnis für Farbe, ihre Eigenschaften (physisch und psychisch) und deren Wirkung auf uns zu schaffen, machen wir zunächst einen kleinen Exkurs in die Physik der Farben. 

Von Zapfen, Stäbchen und Wellenlängen.

Zäpfchen und Stäbchen

 

Mit der physikalischen Erklärung kann und hat man bereits, so einige Bücher gefüllt. Aus diesem Grund werde ich hier nur relativ kurz und nur auf die, aus meiner Sicht, wichtigsten Fakten eingehen.

Im Grunde ist Farbe nichts anderes, als ein kleiner Frequenzbereich der elektromagnetischen Strahlung, für die wir im Laufe der Evolution spezielle Rezeptoren entwickelt haben. Das für uns sichtbare Licht liegt im Bereich von 380 nm bis 780 nm Wellenlänge, wobei die Grenzen nach oben und unten eher unscharf begrenzt sind. Auch Radiowellen, Mikrowellen und Röntgenstrahlung fallen in das elektromagnetische Spektrum, jedoch sind diese für uns nicht sichtbar, da wir keinerlei Rezeptoren besitzen, um diese Strahlung wahrzunehmen.Des Weiteren unterscheidet sich die menschliche Farbwahrnehmung mitunter stark von anderen Lebewesen. So bezeichnet man beispielsweise Hunde als »Dichromaten«, da sie nur 2 verschiedene Farbrezeptoren besitzen (Grün und Blau). Wir Menschen besitzen hingegen gleich 3 verschiedene Zapfen zur Wahrnehmung von Farbtönen (Rot, Grün, Blau). Während diese Zapfen ausschließlich zur Farbwahrnehmung gedacht sind, besitzen wir neben ihnen noch die sogenannten Stäbchen, welche für die Erfassung der Helligkeit verantwortlich sind. Die für die Farbwahrnehmung zuständigen Zapfen benötigen jedoch eine bestimmte Grundhelligkeit. Es stimmt also, in der Nacht sind alle Katzen grau, weil unsere Zapfen bei zu geringem Licht inaktiv sind. Darüber hinaus unterteilt man die Farbwahrnehmung in zwei unterschiedliche Bereiche, in Licht- und Körperfarben.

 Farbe im Grafikdesign - Farbwahrnehmung von Hund und Mensch

Lichtfarben

Als Lichtfarben werden alle Farben bezeichnet, die von einer selbstleuchtenden Quelle ausgehen und direkt auf unsere Augen treffen. Im Grafikdesign wären dies beispielsweise Monitore, Leuchtreklamen, Backlit-Poster und andere Displays. 

Körperfarben

Anders als Lichtfarben werden Körperfarben nicht von einer Lichtquelle remittiert, sondern reflektiert. Eine rote Tür schluckt beispielsweise die grünen und blauen Wellenlängenbereiche des Lichts und reflektiert ausschließlich die Wellenlängen des roten Spektrums. Da bei der Reflexion stets ein Teil der Strahlungsintensität verloren geht, erscheinen uns Körperfarben meistens gedeckter als Lichtfarben.

Farbpsychologie

Farben lösen in jedem von uns bestimmte Wahrnehmungen aus. Zum einen haben wir viele Farben mit Objekten des alltäglichen Lebens, wie zum Beispiel: himmelblau, blattgrün oder sonnengelb, in Verbindung gebracht. Zum anderen bringen wir einige Eigenschaften und Tätigkeiten mit bestimmten Farben in Verbindung. »Rot wie die Liebe«, »blaumachen« oder »schwarzsehen« sind nur einige der Assoziationen, die es bis in unseren Sprachgebrauch geschafft haben.

Die genannten Assoziationen sind jedoch kulturellen Einflüssen unterworfen. Während bei uns die Farbe Schwarz gerne mit Trauer und Leid in Verbindung gebracht wird, steht Schwarz in der asiatischen Kultur für Glück und Leben. Ein Schwarzseher, der bei uns immer nur das Schlechte sieht, wäre in Asien als eine glückliche Person zu verstehen. Diese kulturellen Unterschiede, sofern man mit ihnen vertraut ist, können im Grafikdesign genutzt werden, um die Wirkung eines Designs mitunter massiv zu beeinflussen oder den Blick des Betrachters zu steuern. Des Weiteren unterscheidet man aus psychologischer Sicht warme und kalte Farben voneinander.

Kalte Farben

Kaltes Farbspektrum

 

 

Kalte Farben bezeichnen in der Farbwahrnehmung alle Farben, welche mit kalten Objekten in Verbindung gebracht werden. Zum Beispiel der bläuliche Schatten von Eis oder der dunkelblaue Nachthimmel. Die kalten Farben werden häufig mit folgenden Eigenschaften beschrieben: distanziert, kühl, streng, fern, steif, unangenehm, seriös, rein, erfrischend und winterlich.

Warme Farben

Warmes Farbspektrum

 

 

Im Farbkreis den kalten Farben genau gegenübergestellt, befinden sich die warm empfundenen Farben. Diese Farben repräsentieren die warmen Jahreszeiten wie Frühling, Sommer und den anfänglichen Herbst. Außerdem verbinden wir mit ihnen direkt warme oder gar heiße Objekte wie das rot-orangene Schimmern von Feuer und Glut. Warme Farben werden häufig wie folgt beschrieben: nah, warm, heiß, lebhaft, aktiv, unsicher, gefährlich, lieb, zuneigend, Geborgenheit und Hass. 

 

(Aus physikalischer Sicht ist die Unterscheidung von warmen und kalten Farben übrigens umgekehrt. Da Rot eine größere Wellenlänge hat als beispielsweise blaues Licht, strahlen extrem heiße Objekte im blauen Spektrum. Je kälter ein Objekt ist, um so mehr verschiebt sich seine Strahlung in den rötlichen Bereich.)

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