Corporate Identity Workflow #1

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06. Dezember, 2012

Ein gelungenes Corporate Design ist nur ein Teilelement einer vollständigen Corporate Identity, also dem Charakter eines Unternehmens. Wie kann ein Workflow zur erfolgreichen Erstellung einer Corporate Identity aussehen? Was muss in den einzelnen Punkten beachtet werden und wie lassen sich diese zeitlich gliedern? Genau um diese Themen geht es in dieser mehrteiligen Beitragsreihe.

Bevor es losgeht

Der hier aufgezeigte Worflow versteht sich nicht als Step-by-Step Anleitung für Laien, sondern soll einen Eindruck vermitteln, wie ein einfacher Corporate-Identity-Workflow aussehen kann. Inhabern von kleineren Unternehmen kann dieser Worflow helfen, das Verständnis für die Aufwände und Kosten, welche bei einer Erstellung entstehen, besser zu verstehen.

Gliederung:

Phase 1 | Briefing & Rebriefing

Phase 2 | Analyse & Konzeption

Phase 3 | Gestaltung & Entdeckung

Phase 4 | Fertigstellung & Prioritäten

Phase 5 | Management & Roll-Out

(durchgestrichenes noch nicht veröffentlicht)

 

Corporate Identity Workflow

Phase 1 | Briefing Rebriefing

In der ersten Phase des Corporate Identity Workflow, beginnen wir mit der »Baugrundbesichtigung«. Auch wenn zeitliche und finanzielle Ressourcen knapp bemessen sind, so ist es diese Phase, welcher am meisten Hingabe zu widmen ist. Denn auf der Auswertung der hier gewonnenen Fakten und Daten, werden die fundamentalen Konzepte für die zukünftige Corporate Identity errichtet.

In dieser Phase sollten Informationen in einem Pool gesammelt, jedoch (noch) nicht ausgewertet werden. Die Analyse und Bewertung der Daten geschieht erst in Phase Zwei. Der Grund für dieses Vorgehen ist recht simpel, wird jedoch noch erklärt.

Corporate Identity Briefing

Wer ist unser Kunde?

Für was für ein Unternehmen sollen wir eine Identity ausarbeiten? Ist es ein lokales Kaffeehaus, ein exklusiver Handwerksbetrieb oder eine alteingesessene Gärtnerei?
Bei der Frage, ob der Kunde sein Unternehmen einmal kurz beschreiben könnte, sollten wir, neben den harten Fakten, auch auf die Art und Weise achten, wie der Kunde sein Unternehmen präsentiert.
Aus der Gestik, Mimik und Wortwahl, mit welcher der Auftraggeber sein Unternehmen beschreibt, lassen sich bereits Rückschlüsse über das Unternehmen und seine Aussenwirkung ziehen.

Alleinstellungsmerkmale?

Was macht das Unternehmen unseres Auftraggebers besser als die Konkurrenz und aus welchem Grund sollte man seine Produkte bevorzugen? Ein Alleinstellungsmerkmal oder auch USP (Unique Selling Proposition) muss hierbei nicht immer direkt mit einem Produkt oder einer Dienstleistung zu tun haben, sondern kann auch als besonderer Umgang mit dem Kunden zu tun haben. Ein gutes Beispiel bildet hier das Unternehmen »Apple« in ihren Applestores. Apple legt hier viel Wert darauf, dass Kunden das Gefühl vermittelt wird, sie wären ein Teil der Apple-Familie.

Was sind die Werte des Unternehmens?

Für was steht unser Kunde und welche Attribute bilden die Grundpfeiler, auf denen das Unternehmen steht? Bezieht es sich auf alte Werte oder ist Modernität ein entscheidender Faktor? Ist sein bisheriger Auftritt eher laut und reißerisch oder leise und zurückhaltend? Hierbei sollte man sich auf maximal drei bis fünft stichpunktartig niedergeschriebene Attribute beschränken. Ein Beispiel: jung, frisch, modern, laut, männlich

Wer ist die Zielgruppe?

Kinder, Teenager oder doch der trendbewusste Geschäftsmann zwischen 30 und 49 Jahren? Das Wissen darüber, welche Zielgrupppe mit der Corporate Identity und dem Corporate Design erreichen möchte, ist einer der Schlüsselelemente. Wer könnte sich für die Produkte interessieren? Wer interessiert sich schon dafür und welcher Markt soll eventuell in den nächsten Jahren noch erschlossen werden?

Wie ist der Ist-Zustand?

Hat das Unternehmen bereits Kunden aus dem Ausland, welche sich von unserer (westliche) Kultur unterscheiden? Wie hoch sind die jährlichen Umsätze und Gewinne des Unternehmens und wer kümmert sich zukünftig um die Umsetzung und Einhaltung der zukünftigen Corporate Identity und deren Corporate Design Richtlinien?

Wo soll es hingehen?

Was sind die Ziele der zukünftigen Corporate Identity aus der Sicht des Unternehmens? Welche Änderungswünsche, vonseiten der Zielgruppe, haben Marktforschungsprogramme oder Umfragen ergeben? Möchte man sich von einer komplett neuen Seite zeigen oder nur den bisherigen Firmencharakter besser repräsentieren?

Wer ist die Konkurrenz?

Ein ebenfalls wichtiger Faktor spielt das Wissen über die Konkurrenz unseres Auftraggebers. Viel zu häufig können vor allem kleinere Kunden nur wenig bis gar keine Auskünfte über ihre Konkurrenten geben. Sollte dies der Fall sein, sollte man auf alle Fälle ein Screening der direkten Konkurrenten in Auftrag geben oder selbst durchführen – je nach Budgetrahmen. Der Supergau wäre, dass sich das CI unseres Kunden fast deckungsgleich mit dem Auftritt einer oder mehrer Konkurrenten deckt.

Was wird benötigt?

Benötigt der Kunde ein komplett überarbeitetes Corporate Design oder sollen Teile des derzeitigen – sofern vorhanden – übernommen werden? Egal ob Selbstverständlichkeiten wie Briefbögen, Visitenkarten und Briefumschläge oder PKW-Werbung, Werbeschilder bis hin zu einem eigenen Firmengebäude. Am Ende sollte eine möglichst ausführliche Liste existieren, was am Ende des Prozesses stehen muss und was nicht.

Budgetrahmen?

Welche finanziellen Mittel stehen zur Verfügung? Im besten Fall hat das Unternehmen bereits ein Budgetrahmen für das bevorstehende Corporate-Identity-Projekt aufgestellt und wir können unsere Maßnahmen so planen, dass wir innerhalb dieses Budgetrahmens bleiben.

Deadlines

Bis wann soll das Projekt ausgeliefert und eingeführt werde? Was sind die angestrebten Deadlines der einzelnen Phasen?

Weitere Fragen

Natürlich sind die erwähnten Punkte kaum ausreichend für ein ausführliches Kundenmeeting. Die Devise ist hier ganz klar: »Fragen, fragen und noch mal fragen!« Natürlich nur, solange die Fragen relevante Informationen hervorbringen und sich nicht um den neuen Haarschnitt der Gattin drehen ;).
Um unseren Kunden im Briefing nicht unvorbereitet wiederzufinden, empfiehlt es sich, ihm schon vorab einen Fragekatalog zukommen zu lassen. Wie ein solcher Fragebogen für das Briefing aussehen kann, kann man sich unter folgendem Link verdeutlichen:
 Machen.de – 100 Fragen für das Briefing

Erstes Rebriefing

Nach dem alle relevanten Informationen durch das Kundenbriefing gesammelt und festgehalten wurden, sollte schnellstmöglich ein Rebriefing stattfinden, um festzustellen, ob alle Ziele, Anforderungen von uns verstanden worden sind. Gerne wird das Rebriefing aus Kostengründen übersprungen, doch Fehlinterpretation oder Missverständnisse in Bezug auf das Ziel und die Anforderungen der Corporate Identity, kann weitaus teurer werden, als ein 45 bis 90 minütiges Treffen, um diese gleich von Beginn zu verhindern.

Fazit

Der Blätterwald aus Informationen sollte sich nun vor unseren Augen erstrecken und durch das Rebriefing wissen wir, dass wir die Wünsche, Ziele und Anforderungen unseres Kunden richtig verstanden haben. In der nächsten Phase schauen wir uns die gewonnenen Informationen genauer an, werten diese aus und beginnen mit den ersten, noch groben, Konzeptionen.

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